Stufe für Stufe

Sie steht auf der ersten Stufe der alten Holztreppe. Ihr rechter Arm reicht gerade bis zum Geländer, an dem sie sich festhält.

Ihr Blick ist nach oben gerichtet zum Treppenabsatz im 1. Stock. Dort oben liegt ihr Teddy, nur sein Fuss hängt über den Rand. Sie hat ihn dort verloren, als sie von ihrer Mutter zum Frühstück herunter getragen wurde.

Lauferei

Lauferei

Ihre Mutter ist in den Garten gegangen und jetzt stand sie ganz alleine vor der Treppe. Die 1. Stufe war ganz leicht. Sie hat es schon öfters bis ganz oben geschafft. Eine Hand am Geländer, eine Hand in der Hand ihrer Mutter oder ihres Vaters. Es war leicht! Ein Fuss nach dem anderen und schon waren sie oben.

Würde es helfen beide Hände ans Geländer zu legen? Ja, es hilft. So steigt sie bis zur Mitte. Schaut zurück. Hinunter ist sie noch niemals.

Sie lässt eine Hand los, immer den Blick zum Teddy und auf die nächste Stufe. Und dann ist sie oben, nimmt ihren Teddy in den Arm.

Jetzt wieder runter.

Lauferei

Lauferei

Sie setzt sich auf den Hosenboden und rutscht eine Stufe nach der anderen hinunter. In der Mitte angekommen, erscheint ihre Mutter und sieht sie auf der Treppe sitzen.

„Was machst du bloss?“ Ihre Augen sind riesig geworden vor Angst. Sie steigt die Treppen hinauf zu ihrem Kind und hält plötzlich inne. Sie sieht auf dem kleinen Gesicht Tränen hinunter kullern.

„Komm meine Kleine! Du bist so mutig und stark, die wenigen Stufen zu mir, die schaffst du! Ich passe auf dich auf!“

Ab jenem Tag stieg sie die Treppen hinauf und setzte sich Stufe für Stufe wieder hinunter. Ihren Teddy liess sie vorausfallen. Das klappte wunderbar.

Viele Jahre später steht sie wieder vor dieser alten Holztreppe. Sie springt sie hinauf und hinunter. Doch inzwischen hat sie gelernt, dass es Stufen und Treppen im Leben gibt, die manchmal schier unüberwindbar erscheinen.

Doch sie erinnert sich an die Worte ihrer Mutter und macht den nächsten Schritt!

Lauferei

Lauferei

P. S. Murmeli können sich eine gefühlte Ewigkeit nicht bewegen, erst wenn ich auf den Auslöser drücke.

Über Erika

Mein Nachname ist Programm in meinem Leben. Immer in Bewegung, selten still, oft schweigend, mit offenen Augen das Leben und die Welt beobachten. Mit den Gedanken einen Schritt voraus und den Gefühlen einen Schritt hinterher. Immer öfter bewusst im Moment, häufig auf Reisen irgendwo zwischen Himmel und Erde, mit festen Boden unter den Füssen. Liebe die Berge und das Meer, brauche Bäume zum auftanken und das Meer zum loslassen. Was ich dabei erlebe, entdecke und beobachte - darüber schreibe ich.
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6 Antworten zu Stufe für Stufe

  1. Erika Kind schreibt:

    Genau! 😃 Schöne Aufnahmen, Erika. Schönes Wochenende!!!

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  2. meinesichtderwelt schreibt:

    Ohne Worte – schön ♥ Dane

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  3. meinesichtderwelt schreibt:

    .. Danke soll das heißen 😉

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  4. sugar4all schreibt:

    Diese Erzählung ist wunderschön ❤
    Danke dafür und lieben Gruß – Karin

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