von spinnen und weben

Während in meinem Dorf an sonnigen Tagen die Libellen, Schmetterlinge und Bienen umherfliegen und sich an den – zum zweiten Mal – blühenden Rosen, an Mädesüss und weiteren mutigen Blumen nähren, wird mir an den Nebel-verhangenen stillen, kühlen Tagen dann doch noch fühlbar bewusst: ja es ist Mitte November -Herbst.

Während sich vielleicht einige Vögel überlegen ein Nest zu bauen, habe ich mit meinem Winterhobby begonnen, das ich völlig unabhängig von Wetter und spinnenden Temperaturen beginnen kann.

Ich brauche nur den grossen Webstuhl und 8 kg gewalkte Teppichwolle zum Weben.

Weben ist für mich nicht nur ein Hobby. Mit meinen Händen und meiner Kraft erschaffe ich etwas Einzigartiges von dauerhafteren Bestand und es steckt meine Energie und Zeit in jedem Werk, das anderen Wohlbehagen und Freude bereitet.

Die Zettelfäden werden aufgezogen und anschliessend in den Kamm eingefädelt.

Weben ist eine ganz wundervolle Metapher für das Leben. Bin ich mit dem alten Webstuhl eins, schenkt die Tätigkeit, das hin und her der Wollfäden, mir viele Aha`s und Oha`s und vielleicht werde ich all das einmal in Worte fassen….

Es wird mein 4. Teppich und für diesen mit Fransen ist der Anfang gemacht.

Mit jedem Anschlag fliesst Energie, die tagsüber keinen Raum gefunden hat. Ein Fitness-Training der besonderen Art und definitiv eine Ganzkörpertätigkeit.

Jeder Webstuhl hat seine Eigenheiten und funktioniert auch etwas unterschiedlich. Mein alter, grosser Webstuhl und ich sind gute Freunde geworden. Beide sind wir nicht zimperlich, von robuster stabiler Natur und zickig können wir beide sein.

Bevor sich die Temperaturen für Winter entschieden haben und sich die Natur definitiv zur Ruhe begeben kann, wird mein derzeitiges Werkstück fertig sein und sich auf den Weg zu seiner Besitzerin machen, auf dass sie mit warmen Füssen, wie auf Wolken gehen darf.

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Hüte dich vor deinen Wünschen,

denn sie könnten in Erfüllung gehen…..

Eine Woche Ferien! Ich wollte einen friedlichen und vor allem ruhigen Platz. Weg aus meinem Dorf mit dem Baustellen- und Autobahnlärm, den übereifrigen Gockeln und einmal nicht neben Kirchenglocken schlafen. Hunde sollten willkommen sein und am liebsten ein Zimmer zu dem ein kleiner Garten gehört. Bisher kenne ich nur ein Hotel, das über Zimmer mit Garten für Hundebesitzer verfügt und dieses befindet sich Bad Aussee / Österreich.

Ich wollte in eines meiner liebsten und vertrautesten Täler: ins Val Müstair und der Zufall schenkte mir ein B&B und noch viel mehr….

Ein Platz, wie ich ihn mir schöner und perfekter für mich, nicht zu erträumen gewagt hätte. Mitten im Wald, mit einem kleinen Bachlauf und den markanten Bergen vor meiner Nase.

Am Abend unserer Ankunft und jeden weiteren Tag sass ich auf der Terrasse und lauschte dem Nichts….selbst der Flügelschlag eines Schmetterlings wäre zu hören, würde nicht das Rauschen des Rombachs, der durch das Val Müstair fliesst, die Hintergrundmelodie der Stille sein.

Nur ein paar wenige Menschen, die Natur, die Waldtiere, die Mopsdame und ich – ein gutes Frühstück und ein gutes Abendessen….

Jeder Augenblick ein perfektes Erleben der Natur – keine Worte, keine Ablenkung, nur Sein

Mit sich selbst und der Welt in Frieden und in der Stille sein – nicht für jeden – für mich zu diesem Zeitpunkt die Erfüllung und pure Erholung.

So vertraut mir dieses Tal ist, ist es mir nicht schwer gefallen auf grosse Wanderungen zu verzichten. An einem meiner Lieblingsorte Alp Champatsch waren wir dennoch, haben Neues entdeckt und ein Wunder der Natur in meinen Wissensschatz aufnehmen und neue Menschen kennen lernen dürfen.


Der nächste Wunsch ist schon formuliert und wartet auf seine Erfüllung. Doch davon erzähle ich euch noch…..

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Schmittchen-Schleicher in der Sommerhitze

Nein, meine Wanderschuhe habe ich nicht an den Nagel gehängt. Schmittchen Schleicher mit leichtem Schuhwerk und in Mops-moderatem Tempo haben diesen Sommer das Zepter übernommen.

Wer langsam geht, sieht mehr….wer sehr langsam geht, sieht noch mehr!

Dieser heisse, trockene Sommer war für Mensch, Tier und die Natur eine Herausforderung und ausser den frühen Morgen- oder späten Abendstunden war kaum Bewegung möglich, doch oft waren dies die schönsten Stunden.

Meinen Hundetransport-Anhänger konnten wir daher auch nicht so oft benutzen, wie ursprünglich gedacht und wenn doch, überraschte mich meine Mops-Oma durch spontane Bewegungsfreude und der Transporter übernahm den Rucksack.

Alp Cavlocc bei Maloja

Während den vielen Sonnenbädern am Walensee, der eine Rekordtemperatur erreichte, übernahm Mops die Bewachung der Handtücher und des Rucksacks.

Es waren / sind entschleunigte, oftmals sehr faule Sommertage und sie haben uns gut getan. Inmitten all dem Weltgeschehen, dem Tempo auf der Strasse, im Leben und der Zeit, waren wir im Mops-moderaten Tempo unterwegs und haben die Stille und die Kühle gesucht und gefunden.

Vna im Unterengadin

Ich habe nach der Natur geschaut und es war nicht immer schön, was ich gesehen habe. Die Trockenheit setzt vielen Bäumen enorm zu, viele haben es nicht überstanden. Und doch stehe ich inmitten der Natur und staune über ihre Kraft und Fähigkeit zu überleben, die Üppigkeit der Früchte und selbst der kleinste Strauch – noch jung im Leben – trägt ein paar Beeren. Sie zeigt mir einmal mehr, dass inmitten der grössten Herausforderungen die Chance liegt, sich an die tiefe Kraft zu erinnern und sie für sich einzusetzen.

Sanddorn
Kornelkirsche – glaube ich?
Die Zapfenschmiede eines Eichel-/Tannenhähers – mit Cleverness lässt sich jede Nuss knacken
Magnolienfrucht – sie öffnet ihren Zapfen selbst
Die Natur nimmt ein verlassenes Haus in Beschlag und schenkt Vorbeilaufenden Brombeeren und süsse Weintrauben
Wegwarte

Die Natur und ganz besonders die Wegwarte führt und schützt und hilft, Altes sowie Starres loszulassen. Darüber hinaus schenkt sie eine heitere Stimmung und lässt trübe Gedanken verschwinden.(www.kostbarenatur.net)

In diesem Sinne wünsche ich euch noch schöne Sonnenstunden und einen sanften Übergang in den Herbst.

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Buena Vista

Fast jeden Morgen steht sie an dem stark befahrenen Kreisel auf meinem Weg zur Arbeit. Aufrecht, stolz, die Augen blicken ins Leere mit einem Hauch von Melancholie und weit gereister Sehnsucht. Sie hat immer einen Schirm dabei – zum Schutz gegen den Regen und vielleicht auch gegen die Sonne. Über ihrer dunklen Hautfarbe liegt ein grauer Schleier. Und heute morgen habe ich mich gefragt, an wen sie mich jedes mal erinnert… sie könnte ein Mitglied von „Buena Vista Social Club“ gewesen sein, auch wenn diese Kubanische Musikgruppe meines Wissens nur aus Männern bestand. Und mit diesem Gedanken höre ich auch schon die Musik und der Morgen bekommt einen anderen Rhythmus, ein anderes Lebensgefühl….während die alte Frau am Kreisel auf etwas oder jemanden wartet und mit ihrem Herzen für einen kleinen Moment vielleicht in ihrer fernen Heimat verweilt….

Ebenso reise ich in Gedanken an besondere Orte, die mir gut tun…..ein Bündner Walserdorf aus dem 13. Jahrhundert auf 1800 m.ü.M. unter Denkmalschutz, das dank den Menschen, die sorgsam und respektvoll die alten Häuser erhalten und pflegen, war für ein Wochenende vor einiger Zeit mein „Buena Vista“ Richtung Albulatal.

Jeder Streifzug durch das kleine, noch menschenleere Dorf schenkt meinen Augen eine Entdeckung und ich bewundere die Menschen, die diese robusten, wunderschönen Häuser einst gebaut haben.

In Obermutten gibt es 1 Hotel, 1 Ortsmuseum, 1 Kultur-Tenne, 1 kleiner Laden mit regionalen Spezialitäten, eine Bushaltestelle und eine Ziegenherde. Und ganz viel Ruhe und Frieden.

Die komplett aus Lärchenholz gebaute Kirche mit einer Toggenburger Orgel von Heinrich Ammann strahlt Geborgenheit aus, wie eine gute Stube.

Die Berganemone – Kuhschelle – Pulsatilla ist eine der Ersten nach der Schneeschmelze, die den Frühling einläutet.

Und gleich hinter dem Dorf führt ein kurzer Weg hinauf zur Muttner Höhe mit einer gigantischen Aussicht aufs Rheintal Richtung Chur und Richtung San Bernardino, aufs Albulatal, hinüber zu den Engadiner Bergen.

Ein wohl duftender Lärchen- und Arvenwald, der Hirschen Schutz schenkt, die sich mir erst am Abend zur Dämmerung zeigten.

Sie hat ihre ersten 200 Höhenmeter mit kurzen Transporteinheiten und vielen Verschnaufpausen gemeistert. Die Zeit, die haben wir vergessen….

Es wird nicht lange dauern und ich fahre wieder hinauf in dieses verzauberte Dorf, das sich nicht verändert haben wird. Doch die Natur ganz bestimmt!

„Hasta luego Chan Chan“ wünsche ich der alten Dame am Kreisel, um ihrer Sehnsucht die Heimat zu schenken.

Chan Chan ist ein Musiktitel von Buena Vista Social Club über die eigene Reise, die Liebe und die Sehnsucht.

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Roter Sonnenschirm

Flitzt Anfang Mai ein roter Sonnenschirm am Dorfrand auf der Wiese hin und her, wird der 1. Heuschnitt des Jahres gewendet.

Aus dem Dorfbrunnen wird ein grosses Planschbecken für die Kinder und ich werde ein bisschen neidisch…

Die Rasenmäher laufen heiss, mal da mal dort….pünktlich um 18 Uhr ist Ruhe.

Die Gärten sind in Null-Komma-Nix vom Frühlings- zum Sommerflor herangewachsen.

Morgens um 6 Uhr riecht die Welt nach frisch gemähten Gras und abends schwebt der Duft von gegrilltem Fleisch um die Häuser.

Die Heidelbeersträucher auf meinem (noch friedlichen und menschenleeren) Hausberg tragen kleine rosa Knöpfe. Die Murmeltierkinder werden sich an die Menschen gewöhnen und das Wiesel, das vor mir weg springt, auch.

Dieser Frühling 2022 gleicht dem Frühling 2021 sehr. Ausser in der Natur hat sich soooo viel verändert…in der Welt, in jedem Land, in jeder Familie, in jedem Ich.

Selbst meine Mops-Dame hat gelernt auf piksenden Terrain zu laufen, Gewicht verloren und an Kondition zugelegt.

Ich winke meiner Nachbarin zu, die mit Hund und Katze morgens ihre Runde dreht und den Frieden mit mir geniesst. Möge er die ganze Welt umschliessen.

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Verzeiht….

viele Wochen und Monate sind vergangen…niemand, der nicht eine Geschichte von Komplikationen, Verlust, Trauer, Krankheit, Herausforderungen erzählen könnte….das Leben ist in Bewegung und leider, bzw. je nach Situation zum Glück, so schnell…

Blicke ich zurück, frage ich mich: wo ist sie hin, die Zeit?
Und an manchen Tagen bin ich so langsam unterwegs, dass ich oft denke: gleich geh ich rückwärts. Meine 13jährige Mops-Oma lehrt mich Langsamkeit, Achtsamkeit und das geniesse ich jetzt gerade ganz besonders. Denn ich schaue den Blumen, Sträuchern und Bäumen beim wachsen zu.

Mehr als jemals zuvor ist die Natur mein grösster Lehrmeister, die bunteste Schatzkiste und eine heilsame Umarmung.

Selbst unter schwierigen Voraussetzungen kann zauberhaftes entstehen und wir leben in einer Zeit, die uns lehrt die Prioritäten von Herzen zu wählen.

Und während ich hier schreibe, liegt meine Mops-Oma auf dem Sofa und schnarcht. Erschöpft von einer Wanderung durch den Schnee im Skigebiet mit einem kleinen Leckerli-Imbiss am Waldrand auf dem trockenen Boden sitzend, neben uns die Meisen und unter uns die ersten, fleissigen Ameisen.

Die Welt kann sein, wie sie ist. Es gibt diesen Moment, da ist alles gut.

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Carmen

„Sofern man das von sich selbst behaupten kann….ja, ich war eine rassige Frau und habe nichts im Leben ausgelassen. Nicht einmal das Pferde stehlen.“ und sie lacht dabei und ich sehe die lebenslustige Frau, die sie sicherlich einmal war.

Carmen, 90 Jahre alt, nie verheiratet da sie ihre Freiheit nicht aufgeben wollte, keine Kinder und ungeimpft, wohnt in einem Seniorenheim – leider und sitzt an diesem kalten, sonnigen Wintertag neben mir auf einer Bank am Rande eines Winterwanderweges.

Bereitwillig und offen antwortet sie auf meine Fragen und erzählt mir von ihrem Leben. Und während die Sonne sich langsam gen Westen Richtung Berge neigt, finden wir immer mehr Übereinstimmungen.

Auf meine Frage, ob es sie stört, wenn ich eine rauche, strahlt sie über das ganze Gesicht und sagt: „Nein, ich rauche eine mit!“ und ich bin einmal mehr überrascht von dieser Frau, die ihren Rollator als Transportmittel für ihre Utensilien benutzt. Ihr Körper funktioniert noch gut, sie war immer sportlich. Nur die Augen, die sind leider nicht mehr so gut.

Ich frage sie, weshalb sie sich nicht impfen lässt. „Diese letzte Zeit sei die schwerste in ihrem Leben gewesen. Doch ihren freien Willen verkauft sie nicht. Denn alle müssen eines Tages sterben, geimpft oder ungeimpft. Und so schlecht kann es ja auf der anderen Seite nicht sein, zurückgekommen ist noch niemand.“

Die Dezembersonne verschwindet hinter den Bergen und es wird schlagartig kalt. Ich verabschiede mich von ihr und verspreche ihr, dass ich zurückkomme. „Frag nach Carmen. Die kennen mich alle“

Oh ja, das glaube ich. Eine eigenwillige, starke und selbstbewusste Frau. Für eine Stunde sass ich neben meinem 90jährigen Zwilling und wir hatten grosse Freude aneinander. Und ja, ich möchte auch sagen können: „ich habe nichts ausgelassen in meinem Leben“. Meine Sehkraft würde ich mir gerne bewahren, um all das wundervolle und schöne auf dieser Welt sehen zu können….wobei…das Wesentliche fühlen wir mit unserem Herzen.

Euch allen wünsche ich geruhsame, friedliche Weihnachtstage und bedanke mich für eure Begleitung durch mein Jahr. Alles Liebe und auf bald

Erika

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Rotgoldgelbes Lichtbad

In Rotgoldgelb baden und sich im Lärchennadelregen bewegen – nichts anderes wollte ich an diesem Wochenende, bevor der Zauber des Herbstes vorbei ist….

„Sei gütig. Jeder Mensch, dem du begegnest kämpft seinen eigenen schweren Kampf.“

Inmitten all den Lärchen, die in ihrem rotgoldgelben Kleid um die Wette strahlen, dabei spielt es keine Rolle, ob die Sonne scheint oder nicht, fällt jeglicher innere Kampf und Gedanke von mir ab. Scheint die Sonne, setzt sie dem Farbenrausch die Krone auf.

Lärchennadeln wollen unter dem Schnee liegen, die Erinnerung an ihre Sommerzeit zugedeckt wissen und sich in ihrer Schlichtheit des Geästs dem Winter hingeben.

Mittendrin meine Lieblingsbäume, die Arve, vor der vergänglichen Kulisse der Lärchen. Die Arve erinnert mich an meine Widerstandskraft, meine Stärke und Stabilität, egal was kommen mag.

Jeder für sich und alle zusammen bilden den perfekten und schönsten Herbstwald, der jetzt möglich ist und er schenkt mir tief im Herzen das Gefühl von Geborgenheit und Einssein.

Frühmorgens geniesse ich die Stille, die Gesellschaft der Bäume, der Eichhörnchen und Eichelhäher, und all der zauberhaften Wesen zwischen den Wurzeln und Steinhaufen. Eine Welt, die mich nährt und in vollkommener Zufriedenheit den Pulsschlag der Erde fühlen lässt.

Ich muss nur meine Augen schliessen, dann bin ich wieder dort und tauche ein in den Zauber und die Energie der Bergwelt und der Natur. Inzwischen wurde das rotgoldgelbe Licht durch das makellose Weiss des Schnees zugedeckt. Der Wunsch der Lärchennadeln hat sich erfüllt.

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So still?

Seltsam still ist es! Der kühle Wind bläst mir ins Gesicht und der Himmel über mir tanzt himmelblau und dunkelgrau.

Die Natur zeigt mir all die Farben und Gerüche des Herbstes, doch die Töne einer besonderen Zeit in der Tierwelt fehlen. Bin ich zu früh oder zu spät? Mein Irrtum in der Zeit?

Nach 2 Monaten habe ich das erste Mal wieder Wanderschuhe an. In der Gewissheit, dass ich keine Wanderung verpassen werde, dass die Berge mir nicht davonlaufen, durfte ich mich in den letzten Wochen in Langsamkeit beim gehen üben. Meine 13jährige Mops-Dame bevorzugt keine holprigen und steinigen Wanderwege und locke ich sie dann doch mal auf einen, boykottiert sie bockbeinig und ich füge mich. Wir waren sehr oft am See und schauten der Welt zu, wie sich ihr Spiegelbild im Wasser verändert.

Ihre Landung im Wasser war ein Versehen. Wird nicht wieder vorkommen!

Dieser Weg hinauf und hinter ins Tal, hinein in einen ganz besonderen Wald, hinein in einen Bergkessel um dem Konzert der Hirsche zu lauschen, während meine Mops-Oma im Auto friedlich schläft, war mir sehr wichtig. Für mich!

Kein Mensch weit und breit. Kein Laut. Meine liebsten Arven, deren Macht und Robustheit auch Teil von mir sind,

die friedliche, in sich ruhende Kraft dieses Ortes erfasst auch mich. Ich nehme die Veränderung der steinernen Riesen wahr. Der letzte Winter und die Schneeschmelze haben ihr Aussehen neu gestaltet.

Ich beobachte und lausche….ich darf ihn sehen, noch bevor ich seinen Ruf hören werde.

Er ist alleine mit seinem Damen unterwegs. Kein weiterer Konkurrent. Aussergewöhnlich….

Mein Fotoapparat hat sein Bestes gegeben

und oberhalb von den Hirschen klettert eine kleine Herde Gemsen, so nah bei den Hirschen, wie ich es zuvor auch noch nie erleben durfte.

Hier hat jeder ausreichend Platz, darf Sein, ein friedliches Miteinander und der eine schaut auch mal zum anderen, und sie schauen auch zu mir. Ich darf mit ihnen sein und geniesse es!

Als Teil der Natur bin ich am liebsten mit der Natur. Und wir überraschen einander, weil wir uns verändern und mit dem Leben mit fliessen, ohne dabei unsere Authentizität zu verlieren. Nichts ist so, wie es zuvor einmal war und kann wunderschön sein.

Ganz bei mir und voller Energie laufe ich aus dem Tal hinaus mit einem Zweig Wacholder und den bunten Ästen der Heidelbeeren.

Nach einem ausgiebigen Schläfchen kann sie leider immer noch nichts anfangen mit diesen Naturwegen. Daran wird sich nichts ändern vermute ich.

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Fundament

Jeder hat diesen einen Moment im Leben, den er aus der Agenda streichen möchte. Innert eines Augenblicks ist das Leben ein anderes und das, von allen Beteiligten und Betroffenen.

Es wird am Fundament gerüttelt, wohin man schaut, einmal rundherum – Unfall, Feuer, Hochwasser, Krankheit – Schmerz, Leid, Verlust, unwiederbringliche Veränderung – das Leben ist vielfältig. Die einen halten etwas mehr in ihren Händen, andere haben gar nichts mehr.

Sofern man sein Leben noch in seinen Händen hält, kommen die tiefsten und stärksten Ressourcen zum Vorschein. Was es auch immer ist – es kommt der Moment und eine achtsame Persönlichkeit wird erkennen, dass in all dem Unglück sehr viel Glück verborgen war.

Dankbarkeit!

Und es kommt auch der Moment, da Mensch erkennen darf, dass er stärker wurde und innerlich gewachsen ist, wie ein Baum, der seine einzigartige, grandiose Erscheinung, um einen Ring erweitert.

Ob uns die Fliessrichtung des Lebens gefällt oder nicht, am Ende zählt, was wir daraus machen, unser Verhalten, unser Sein. Ob wir es annehmen oder uns dagegen stellen….

Und so, wie jeder stete Tropfen den Stein höhlt, macht jede vergangene Erfahrung, jedes Lernen und jede Begegnung plötzlich Sinn und es darf darauf zurückgegriffen werden.

Seit 2 Wochen bin ich in München. Krankenhaus – Krankenkasse – Kurzzeitpflege – Pflege – Anträge – Reha – intensiv, lehrreich und ich weiss wieder, welche Briefmarke auf einen deutschen Brief gehört.

Zusammenhalten- und helfen, da sein, zuhören, um Hilfe bitten, schlau machen, Glück haben und immer weiter laufen, Flügel ausbreiten und in den Tag fliegen. Und die Liebe zueinander fühlen….

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