Lebensbilder

In den letzten Jahren ist es zur Tradition geworden, dass ich an Weihnachten eine Karte mit Fotos aus meinem Jahr an Freunde und Familie verschicke.

Heute, während mir die warme, milchige Oktobersonne ins Gesicht scheint, denke ich darüber nach, welche Bilder es sein werden….

Als Erstes erscheinen Bilder der „Fülle“! In einem Jahr, das bestimmt ist von Einschränkungen, Verzicht, Grenz-, Firmen-, Geschäfts- und Schulschliessungen – ein Paradox!

Die Fülle der Natur: vom Ende des Winters mit seinen Schneemengen – der stille Frühling, mit seiner überwältigenden Blüte und der kurze, intensive Sommer, der in einen erntestarken, farbenprächtigen Herbst mit ersten Schneefällen wechselt. Und sollten mich meine herbstlichen Beobachtungen der Natur und der Wildtiere nicht täuschen, kommt ein kräftiger Winter auf uns zu. Schaug ma mal….

Ich denke aber auch an die Fülle von Schwierigkeiten, Herausforderungen, Erfahrungen, Unsicherheiten und Ängsten, mit denen jeder Einzelne auf seine Weise konfrontiert wurde und wird.

Und ich denke an die Fülle der Tränen, die auf dieser Welt aus unterschiedlichsten Beweggründen fliessen. An die Liebe, Achtsamkeit, Freundschaft und Nähe – trotz oder gerade wegen all den distanzierenden Umständen.

Eine Fülle von Lebensbildern und Geschichten für die eine Karte nicht ausreicht.

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Crash Kurs

Eine kleine, kurze Auszeit wird zum Crash Kurs der Jahreszeiten, die sich übereinander legen und eine ganz spezielle Mischung hervorzaubern.

Palpuognasee Albula

Erstmalig wieder die kalte, trockene Schneeluft einatmen und die Lungen spüren.

Schneeglitzerstaub einfangen und kindliche Freude hochkommen lassen.

Albulapass

Auf der anderen Seite des Albulapasses im Engadin erwartet mich das Farbenspiel der Lärchen. Ihre Art vom Sommer Abschied zu nehmen, den Herbst zu begrüssen und da sie ihre Nadeln gerne auf Schnee fallen lassen wollen, wird dieser vermutlich auch bald dort eintreffen, sofern der Winter ihren Wunsch erfüllen möchte.

Murmeli-Löcher-Check auf Muottas Muragl. Noch sind sie geöffnet. Aber die grösseren Steine, mit denen sie geschlossen werden, liegen parat.

Muottas Muragl

Immer wieder muss ich mich selbst daran erinnern, dass es Mitte Oktober ist. Die Berggipfel waren 3 Monate ohne Schnee, mein Auto durfte 4 Monate mit Sommerreifen fahren und meine Ski werden demnächst zum Service gebracht.

 

 

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Testosteron

Zu diesem beeindruckendem Schauspiel und jährlichem Konzert sind viele pünktlich und engagiert erschienen.

Jeder der prächtigen, wohl genährten Hauptdarsteller hat seine Mädls um sich.


Und beobachtet die Mitspieler aufmerksam.

Abstände zu seinen Mädls werden vehement eingefordert und verteidigt.

Frech und jung kann man sein Glück ja mal versuchen….

Könnte ja jeder kommen!

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Mädlsabend und Phil

Es ist einer der letzten warmen Sommertage in den Bergen. Für unseren Mädlsabend ist alles vorbereitet. Ein kleiner Junge namens Phil läuft mit mir mit, zwischendrin verschwindet er, schnell nach Hause oder an den Brunnen um sich abzukühlen und taucht plötzlich wieder auf mit der Frage: „Was machst du?“

Botanischer Garten Villa Melzi in Bellagio / Comersee

Ich antworte: „Ich muss noch kehren.“ und ich merke, dass er dieses hochdeutsche Wort nicht kennt. Auf seinen fragenden Blick überlege ich, wie es auf schweizerdeutsch heisst…“wischen muss ich noch. Es kommt Besuch.“

Jetzt hat er mich verstanden. Es dauert einen Moment, er überlegt….“Du sagst ja auch „pupsen.“

Ich muss mir das Lachen verkneifen. Ja, antworte ich ihm und frage ihn, obwohl ich die Antwort weiss: „Und wie sagst du zu pupsen?“ – wie aus der Pistole geschossen kommt ein kräftiges „Furze“ und jetzt kann ich mir gar nichts mehr verkneifen….

Als Dankeschön-Post für ihre Gastfreundschaft an meine Freundin packe ich einen Beutel Gummibärchen dazu, mit einem Zettel „für Phil von Erika“.

Die erste Ration Gummibärchen hat er schon bekommen und sich dabei auch vergewissert, ob noch jemand anderes aus dem Beutel Gummibärchen bekommt?!

Luganersee

Die Antwort meiner Freundin: „Nein, schau her. Da im Schrank ist der Beutel und da ist ein Zettel darauf, da steht extra für Phil. Keiner nimmt das weg.“ Beruhigt und freudestrahlend ist er mit seiner Gummibärchenration nach Hause ein Haus weiter gegangen.

Ich wünsche mir von Herzen, möge er sich diese Freude an kleinen Dingen ganz, ganz lange bewahren.

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Einfach weg…

Gerade erst aus den Ferien zurück beschleicht mich das Gefühl, dass ich mein Hirn auf meinen Wegen von Ost nach West und weiter nach Südost irgendwo in der Schweiz liegen gelassen habe. Sämtliche Zugangsdaten / Codes sind weg. Die Routinierten Fingerbewegungen und Zahlenkombinationen wurden für 2 Wochen ersetzt durch ganz viel Sein, Ruhe, Wandern, gutes Essen und einfach nur schauen. Nichts müssen, alles dürfen.

Baden im Genfersee

Im Garten versinken und die Heilkraft des Sommers pflücken, zwischen Bienen und Hummeln die Zeit vergessen.

Ringelblume, Malve, Schafgarbe,

Saanenland Berner Oberland

Zeit mit Freunden verbringen.

Fextal

In meinem liebsten Tal ankommen und in die Beschaulichkeit eintauchen, sich der Langsamkeit anvertrauen

und dem einzigen Spektakel „Cow-Walk“ amüsiert Aufmerksamkeit schenken.

Es fällt mir schwer vom Sommer Abschied zu nehmen, von den kurzen Hosen, dem warmen Wind und den lauen Abenden, doch auf 2000 m. ü. M. bin ich sehr dankbar, dass meine Daunenjacke den Weg in den Koffer gefunden hatte.

Fextal Richtung Sils Maria / Engadin

Blick auf den Silsersee und Silvaplanersee

Heidelbeeren und Wacholderbeeren pflücken, Arvenzapfen suchen, Irish Moos einsammeln und den Malojawind um die Nase wehen lassen.

Zutrauliche Begegnungen und gelassene Standhaftigkeit.

Unter meiner Lieblingsarve sitzen und Besuch bekommen,

weiter über den Moutt d`Ota 2449 m. ü. M. zur Alp laufen und einen Kaiserschmarrn essen.

Einem seltenen, scheuen Waldbewohner begegnen, der sich durch mich nicht stören lässt.

Es fällt mir schwer vom Fextal Abschied zu nehmen, doch ich komme wieder. Ebenso wie der Sommer.

Meine Zugangsdaten und Passwörter habe ich hervorgekramt, mein Hirn kann sich noch Zeit lassen, um im Alltag zu landen und meine Seele sitzt noch manchmal unter der Arve.

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Bleiben…

Hoffentlich schmeckt mein Hefezopf aus dem einzigen Dorflädeli von Langwies (bei Arosa) mit einer Kaffeemaschine so gut, wie er ausgesehen hat. Denn ich habe ihn 1100 Höhenmeter und ca. 13 Kilometer mit mir getragen.

Ein Bauerngarten in seiner Fülle und Vielfalt mit alten, grossen Johannisbeersträuchern, übervoll von roten, reifen Beeren wäre mein 1. Dauerstopp geworden. Hätte der Hausbesitzer nicht vor dem Zaun die Brennnesseln stehen lassen. Das ganze Anwesen wäre ein Ort zum Bleiben, zumindest solange bis die Ernte vorbei ist.

Bauernhaus- und Garten in Langwies

Mit einem Espresso im Bauch und dem Zopf im Rucksack geht es weiter, durch die alte Walsersiedlung Sapün (altromanisch =Kuhschelle) hinauf Richtung Strelapass,

vorbei am Heimeli – oder besser hinein ins Heimeli.

Mein Gastronomenherz macht einen kleinen Freudensprung, wann immer ich ein Haus entdecke, egal ob gross oder klein und an welchem Ort, in dem alles stimmt. Die Atmosphäre, die Lage, hier besonders die Stille, die vielen kleinen Details, die Mitarbeiter und die Küche in ihrer Aufrichtigkeit und Kreativität – die sich meist an den kleinen Dingen messen lässt und nicht nur an einem 6-Gang-Menü, das es auch hier geben würde. Mit viel Liebe und Engagement ist es wahrhaftig ein Heimeli. Hier könnte ich bleiben….doch das steilste Stück meines Weges wartet noch auf mich.

Mit einem laufwarmen Kirschkuchen im Bauch hat mein Körper Mühe wieder in seinen Rhythmus zu finden. Und weil die Bergflanke zu meiner Rechten nach dem idealen Platz für Gemsen und Steinböcken aussieht, bleibe ich stehen. Da muss doch was unterwegs sein…. Schroffe, steile Felswände und dazwischen immer wieder Wiesenflächen…und dann sehe ich sie: ein Gemskindergarten. 8 Gemsen mit ihren Jungen. Bleiben und sie stundenlang beobachten, bis sie aus meinem Blickfeld verschwunden sind. Stattdessen blicke ich auf meinen Wanderweg zum Strelapass hinauf. Angeblich gibt es dort im Berggasthaus das beste Rösti…

Schanfigg Blick Richtung Langwies und Chur

Doch hier mag ich nicht zu lange bleiben. Zu viele Menschen, zu einfach der Weg von Davos hier hoch – an den Höhenmetern und der Beschaffenheit des Weges trennt sich die Spreu vom Wander-Weizen.

Nur die Mountainbiker, teilweise mit Motor, die immer mehr Wanderwege in Beschlag nehmen, könnten nerven. Doch solange die Bremsen und der Respekt funktionieren….

Blick auf Davos – Landwassertal

Stattdessen ein Apero bei Thomas Mann`s Zauberberg, dem Hotel Schatzalp, auf der Terrasse dieses alten, charismatischen Hauses, das in jeder Ecke viele Geschichten erzählt und diese auch mächtig Patina haben ansetzen lassen. Daraus wird leider nichts, denn die Vorbereitungen für eine Hochzeit blockieren den Genuss.

Hotel Schatzalp

Selbst ein Berg mit seinen Tälern – das Schanfigg und Landwassertal Davos hat 2 Seiten. Bleiben möchte ich nur auf der Einen.

 

Wanderung:

Langwies – Sapün – Strelapass – Schatzalp / Davos Standseilbahn ca. 5 1/2 Std.

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Wanderschaftsmuster

Läuft man immer der Sonne entgegen – ob bewusst oder unbewusst – wird man nur auf einer Seite braun und auch nur an den Stellen, die sich frei dem stärkendem, wärmenden Lebenslicht zeigen. Es entsteht ein Muster – ein Wanderschaftsmuster. Der Rest fristet ein Dasein im Schatten und ist verdeckt. Läuft dennoch mit….

Hospiz Bernina Lago Bianco

Mit dem Ego und dem inneren Antreiber in eine Streichholzschachtel verbannt, auf Wanderschaft gehen, offenbart überraschende Eindrücke und das wundervolle Gefühl mit dem Leben zu fliessen und wohlbehütet geführt zu werden. Kein wirkliches Ziel, nur eine Richtung….

Lago Bianco am Berninapass

Einfach vorwärts und all die Eindrücke, Begegnungen, Gedanken und Gefühle entgegennehmen. Sie einen Moment mit sich tragen, sie liegen lassen und weiter wandern.

auf dem Weg zur Alp Grüm

Beim nächsten Wegweiser kann sich die Richtung, die Umgebung und die Beschaffenheit des Weges ändern. Bergauf – Bergab. Dem Gabentisch der Natur volle Aufmerksamkeit schenken.

Es gibt Wege, die wir lieber nicht gehen möchten und doch zwingt uns das Leben dazu. Es dreht einen einmal um die eigene Achse, denn die im Schatten liegende Seite möchte gesehen werden. Der Körper ist müde. Steige in den nächsten Zug und lasse mich ein Stück weiterfahren. Zeit, um die Kräfte zu sammeln, um zu verstehen, um zu reflektieren…

Aussicht auf den Palügletscher und die Bahnstation der Alp Grüm

Einen Platz zum Ruhen finden in all seiner Bescheidenheit, denn das Leben braucht nicht mehr. Von oben herab in die Welt blicken und dankbar anerkennen, wieviel Weisheit, Erkenntnis und Stärke aus jeder Erfahrung gewonnen werden kann.

Aussicht auf das Puschlav – Poschiavo

Um in aller Stille am nächsten Morgen von einem hellen Stern geweckt zu werden, hinter dem sich die Sonne ankündigt und ein neuer Tag.

Hotel Belvedere Alp Grüm

Mit leichtem Gepäck und voller Energie in das Tal laufen, weil ich es will und nicht, weil es das Leben von mir fordert.

Gletschersee Palü

Dem Tag in seiner Unschuld begegnen und sich selbst und dem Leben vergeben, die beste Form von Liebe. Ziehen lassen und das gegenseitige Geschenk in einer Erfahrung erkennen, war sie auch noch so schmerzhaft. Alles ist gut, so wie es ist….

Blick auf das Dorf Cresta im Averser Tal

Weiterlaufen….neue Wege finden…

Bandseen im Averser Tal

Vertrauen und Frieden mit jedem Schritt, jeder Begegnung

Das Leben ist bunt, vielfältig, immer im Wachstum und in der Veränderung. Wie schade, würden wir es nicht sehen und uns eine Aussicht von 360° auf unsere individuelle und einzigartige Wanderung verweigern.

 

Wanderinfo: Pontresina zur Alp Grüm ca. 6 Std. Hopp on/off auf die Rhätische Bahn je nach Lust und Laune, unbedingt vom Lago Bianco zur Alp Grüm laufen. Ein traumhafter Wald mit phantastischen Aussichten. Von der Alp Grüm Richtung Poschiavo, soweit die Füsse tragen

Bandseen im Averser Tal. Am Dorfende von Cresta führt der Weg gleichmässig steigend zu den Seen. 2 1/2 Std. ein Weg. Den gleichen Weg auch wieder zurück, ausser man läuft weiter Richtung Murlegns, Marmorera, Julierpass

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Dvorak und Uina

Musik hat die Macht, dich in andere Welten und in die Vergangenheit zu tragen. Bilder, Gerüche, Gefühle und Erfahrungen werden wieder lebendig. Hör dir zu den Bildern die Musik von Dvorak „Neue Welt“ Symphonie Nr. 9 den zweiten Satz an und es harmoniert, als wären sie füreinander bestimmt. Musik vermag Stimmungen zu vermitteln für die uns keine Worte gegeben wurden.

Start in Sent Sur En

Es wurde Zeit. Zeit für einen neuen Weg, der schon lange auf mich gewartet hat. Mein grosser Rucksack mit Hüttenschlafsack, Maske, Desinfektionsmittel und alles, was es sonst noch für eine Übernachtung auf einer Hütte braucht, machte sich mit mir früh morgens auf den Weg nach Sent Sur En im Unterengadin.

Gleichmässig steigend den Fluss entlang in Richtung Uina Schlucht, die Wanderer und schiebende / tragende Mountainbiker auf einen in den Fels geschlagenen Weg durchqueren.

 

Einstieg in die Uina Schlucht

 

 

 

 

 

Sesvenna Hütte Südtirol

Es war eine meiner schönsten, abwechslungsreichsten und eindrücklichsten Wanderungen, die ich bisher gemacht habe.

am anderen Morgen um 7 Uhr

 

 

Pforzheimer Hütte DAV

 

auf dem Weg bergab Richtung Schlinig Südtirol

 

 

Bergsommer und der Duft von frisch gemähtem Heu

von Schlinig Richtung Mals / Vinschgau

Start in Sent Sur En bis Sesvenna Hütte ca. 5 1/2 Std. Es geht auch schneller, wenn man nicht auf die Welt um einen herum achtet. Doch wer will das schon?! Schwindelfrei ist zu empfehlen, wobei in der Schlucht Seile angebracht sind.

Von der Sesvennahütte nach Schlinig läuft man ca. 1 Std. von dort aus gibt es ein Wandertaxi.

Von Schlinig nach Mals führt ein schöner Wanderweg das Tal hinaus. Leider muss man die letzte Stunde auf Asphalt laufen.

Mein Plan war über die Fuorcla Sesvenna 2818 m.ü.M. nach S-charl zu laufen. Es lag noch zu viel Schnee. Ich komme gerne wieder und trage die Musik von Dvorak in mir mit.

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Heilendes Grün

Manchmal möchte ich gerne den Planeten wechseln oder die Schuhe in denen ich laufe oder einfach nur meine Umgebung….

Über dem Abgrund schweben und auf der anderen Talseite mit der Gondelbahn ankommen. Ein kleines Dorf auf einer Kuppe im Centovalli. Uralte Häuser aus Stein von Menschenhand aufgeschichtet für die Ewigkeit. Gärten, die vor Fülle zu bersten drohen. Grün, satt – lebendig – von reichlich Regen der vergangenen Tage gesättigt, so weit das Auge reicht.

Rasa im Centovalli

Frei von Erwartungen und geführt von der Neugierde auf Entdeckungsreise gehen. Die Zeit vergessen.

Grün – die Farbe des Herzens, der Liebe und der Heilung. Auf der Via del Mercato (Marktweg – Maultierpfad von Domodossola bis Locarno) umhüllt der dichte Mischwald, wie ein Mantel all jene, die sich auf ihm vorwärts bewegen, versperrt die Sicht – nach vorne und nach hinten – bei sich bleiben und auf jeden Schritt achten.

Während ich am Abend unter einer uralten, wohlduftenden Kletterrose sitze, scheint mir die Tessiner Sonne ins Gesicht. In diesem Dorf durchdringt die Energie des Friedens, wie der Duft der Rosen, die alten Steinmauern, verwilderten Gärten, menschenleeren Gassen und die Hotelgäste, die ein paar Tage hier verbringen.

Bordei

Hinter der Mauer, an der mein Rücken lehnt, höre ich das Geklapper in der Küche und weiss, hinter der schweren, alten Eingangstür duftet es nach frisch gebackener Torta del Nonna.

Terra Vecchia

Aussicht auf den Lago Maggiore vom Pizzo Leone

 

Alpenrosenplantagen

Ginster trifft auf Alpenrosen

Ja, gefühlt war ich auf einem anderen Planeten – einem der Stille und des Friedens, mit meinen Bergschuhen und durfte einen weiteren, wunderschönen Fleck der vielseitigen Schweiz entdecken.

Info‘s:

von Locarno aus mit der Centovalli-Bahn fahren

Gondelbahn Verdasio Funivia nach Rasa fährt alle 20 Minuten bis 18 Uhr

Campo Rasa – einfaches, gemütliches Hotel mit freundlichen Mitarbeitern

Via del Mercato – variabel zu gestalten

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Chronologie eines Corona-Hundes

Am 15. März 2020 hätte ich dich im Alter von 4 Monaten bekommen sollen. Einen Tag vorher hat Österreich die Grenzen geschlossen und dein Transport wurde verschoben. Mitte April ein neuer Termin. Verschoben.

Am 5. Mai 2020 habe ich ein zusammen gekauertes, wuschliges Lebewesen in Empfang genommen. Denke ich an den ersten Tag zurück – ein Alptraum und all meine Vorstellungen von unserer gemeinsamen Zeit fielen zusammen, wie ein Kartenhaus. Das braucht Zeit – viel Zeit. 2 Monate Corona, die uns in deiner wichtigsten Prägungszeit genommen wurden.

Gassi gehen wurde zum Alptraum. Kaum vor der Haustüre angekommen, stieg deine Angst. Ich weiss nicht, wieviele Meter ich dich getragen habe, um dich von dieser Hürde weg zu bringen. Jeder Ort, jede Bewegung, jedes Geräusch, alles war für dich gefährlich. Daran hat sich kaum etwas geändert. Du hast dir vom ersten Moment an eine sichere Ecke in meiner Wohnung ausgesucht, von der aus du alles beobachten und jede weitere Nacht friedlich schlafen konntest.

Sehr schnell habe ich mir Hilfe von einem Hundetrainer geholt und mit einer Schleppleine angefangen zu trainieren, um zum einen unsere Bindung zu stärken und zum anderen, deinem Bewegungsdrang an einem ruhigen Ort eine Chance zu geben. Das hat hervorragend geklappt und ich durfte sehen, wieviel Freude und Spass du dabei hast und sich deine Angst auflöst.

Am zweiten Tag hast du angefangen zu fressen und am dritten Tag zaghaft deinen Spieltrieb entdeckt. Nach und nach hast du dich in meiner Wohnung wohlgefühlt.  Noch nie zuvor durfte ich einen Hund erleben, der auf so leisen Pfoten um die Ecke kommt, um zu schauen, ob ich noch da bin.

Täglich wurdest du zutraulicher und hast deine Schmuseeinheiten abgeholt. Niemals habe ich dich bedrängt, dich viel schlafen und ruhen lassen. Du hast dich an die Kirchenglocken, an laute Geräusche und an den Staubsauger gewöhnen müssen. Letzteren wolltest du mit heftigen Bellen in die Flucht schlagen. Erfolglos.

Auto fahren. Einmal hat es funktioniert und dann wurde auch das zu einer schier unüberwindbaren Hürde, wie das Gassi gehen bzw. die Welt vor der Haustüre, die dir so viel Angst gemacht hat. Ich wusste nicht, dass ein junger Hund sich solange zurückhalten kann.

Es gab so unendlich viele schöne Momente und ebenso viele ausgesprochen schwierige. Je stärker unsere Bindung wurde, desto stärker hast du mich und dein Territorium beschützt. Es lag an mir, dir deine Grenzen zu setzen. Deine Neugierde liess ich frei gewähren und durfte Teile meines Haushaltes, Hausschuhe und Socken – inzwischen mit Löchern – einsammeln. Alles soweit gut.

An einem Dienstag habe ich dich in Empfang genommen und an einem Dienstag lief wohl alles schief, was schief laufen konnte. Aus deiner Angst heraus ist so viel passiert und wir beide waren masslos überfordert. Ich war so hilflos, wie noch nie zuvor in meinem Leben und ich habe Hilfe bekommen. Ich musste eine Entscheidung treffen, für dich und sie hat mir in diesem Moment das Herz zerrissen.

Du bist an einem wunderschönen Ort nicht weit von mir entfernt. Du darfst in einem Rudel laufen und von deinen erfahrenen, souveränen Artgenossen lernen. Liebevolle, erfahrene Hände achten auf dich und du hast dort alle Zeit der Welt.

Fortsetzung folgt…..

 

 

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