taucht ein Name einer Ortschaft in meinen Gedanken auf, sowie Bilder in meiner Erinnerung und auch wenn ich mir noch nicht sicher bin, ob mich am nächsten Tag mein Weg tatsächlich in diese Richtung führen wird, packe ich meinen Rucksack, schaue mir meine Wanderschuhe an, die seit Oktober in Portugal nicht mehr im Dienst waren. Der Wetterbericht ist solala…im Norden, wie im Süden der Schweiz.

Einige Mehrtagestouren und Routen habe ich bereits erwandert, doch überall fehlt mir noch ein kleines Stück. Ein Krümel den ich mir später noch holen kann – vielleicht – mal schauen.

In meinem Tal steht der Frühling in der Vollblüte, andernorts liegt noch Schnee. Es lässt sich wunderbar Frühling-Hopping in der Schweiz machen bedingt durch die Klimaunterschiede und Höhen. Mich zieht es ins Bergell, auch wenn ich die definitive Entscheidung erst am Morgen getroffen habe. Sofern ich nicht verabredet bin, springe ich in Gedanken solange von einem Tal oder Ort zum nächsten bis zur letzten Minute. Die Freiheit der Entscheidung.

Mit dem Zug durchs Engadin grüsst der Winter und von St. Moritz aus geht es weiter mit dem Bus bis Soglio. Mein Plan: von Soglio nach Chiavenna / Italien – einer der Krümel. 14 km / ca. 4 Std.

Kaum in Soglio angekommen begrüsst mich die Sonne.


Es ist noch früh am Morgen. Nur ein paar Einheimische und die Müllabfuhr sind unterwegs. In einem Monat wird es vermutlich nicht mehr so still und friedlich in Soglio sein, dann tummeln sich Wanderer und Touristen und schlendern durch die engen Gassen.
Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich immer wieder zu Plätzen und Routen geführt werde, die mir Frieden und Stille schenken und ich die Energie und Kraft dadurch wahrnehmen kann. Soglio ist an diesem Morgen vor dem Palazzo Salis und einem Cappuccino dieser Ort.

Hinab zurück ins Tal führt ein Wanderweg durch den Kastanienwald Brentan nach Castasegna.

Ein Wasserfall-Bad dank dem Tunnel bleibt mir erspart. Ist allerdings a bisserl grusselig.



Auf der gesamten Wanderung durch den Kastanienwald, der leider stark kränkelt und ausgeholzt wird, bis Castasegna begegnet mir ausser einem Forstmitarbeiter kein Mensch und werde von den vielfältigen, bezaubernden Stimmen der Vögel begleitet.

In Castasegna angekommen steigt mir der Duft von frisch gekochter Hühnersuppe in die Nase – ein Geruch der Kindheit. Vorbei an der Schweizerischen – italienischen Grenze suche ich meinen Weg und laufe suchend falsch. Ausgebremst von einem gewissenhaften Hütehund, der seinen Bauernhof und Grundstück bewacht. Einen zweiten Hund habe ich auch entdeckt, aber leider keinen Zaun und der Wanderweg führt an dem Grundstück vorbei. Ein weiterer über die Brücke auf der anderen Flussseite ist asphaltiert und wenn ich es vermeiden kann….tja, da hab ich wieder die Freiheit der Entscheidung!

Ich nehme den Bus! Freilaufende, pflichtbewusste Hunde an Bauernhöfen stressen mich enorm.

In Borgonuovo / Italien gibt es Wasserfälle, die je nach Schneeschmelze oder Regenfällen grandios sein können.


Und hier endet meine Reise mit Wanderung im Bergell. Der Weg zwischen Castasegna und Borgonuovo sah vom Bus aus mehrheitlich asphaltiert aus. 2 Std. Asphalt – lieber nicht.
Danke lieber Hund, dass du mich darauf hingewiesen hast! Ich habe dich leider falsch verstanden. Jetzt weiss ich was du mir sagen wolltest.

An der Bushaltestelle treffe ich auf ein älteres Ehepaar. Sie 80 Jahre und Wanderführerin und er, 93 Jahre und Bergführer, beide aus St. Moritz und überall in den Bergen unterwegs gewesen. Sie empfehlen mir die Wanderwege auf der anderen Flussseite. Wunderbar kühl in den Sommermonaten, durch kleine Dörfer und wunderschön.
Da habe ich doch noch einen Krümel….für`s nächste Mal im Bergell und in Chiavenna war ich auch dieses mal nicht.
„Aus vielen Krümeln wird eines Tages ein Keks“




















































































































