Tierische Helferlein

Ich wohne in einem alten Haus. Zu meiner Wohnung unter dem Dach gehört eine Loggia – eine ins Dach eingefügte Terrasse. Nur die Sonne, der Mond, die Sterne, der liebe Gott und die Vögel von der Kirchturmspitze schauen auf mich.

Letztes Jahr hatten sich 2 Wespennester, eines in der Dach-Rumpelkammer und eines mit Holzwespen unter dem Dach direkt über meiner Terrassentür eingenistet. Niemals hat mich auch nur eine Wespe belästigt oder gar gestochen. Flog eine in meine Wohnung, öffnete ich ihr ein weiteres Fenster oder die Tür und weg war sie.

Sie waren nicht da um mich zu bedrohen. Vor einem Jahr war mein Leben durch eine für mich überraschende Trennung aus den Fugen geraten. Sie machten mir durch ihr hin und her bewusst, wie unruhig und getrieben ich war. Ich hatte eine Nest und war selten dort anzutreffen. Ich sah es als Zwischenstopp.

In meiner unmittelbaren Umgebung gibt es 3 Kraftplätze. Eine Grotte mit der Madonna, die Kapelle auf dem Felsen, der Wasserfall und ein Vierter – mein persönlicher – die Alp Sennis.

Lauferei

Lauferei

Lauferei

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Der ganze Hang hinter meinem Dorf ist ein verzauberter Mischwald, der mir jedesmal aufs Neue ein verändertes Bild in seiner Erscheinung, Kraft, Klarheit und Frieden schenkt. Letztes Jahr hat er mir gezeigt, dass alles Bestand und Sinn hat, dass starke Wurzeln und Flexibilität auch über Verlust, Verrat, Betrug und Schmerz hinweg helfen. Meine neue Umgebung hat mich geführt und getragen durch den Frühling – Sommer und Winter.

Lauferei

Lauferei

Diesen Frühling zeigte er mir, wie vielfältig, reich und unerschütterlich die Natur ist. Unabhängig von den äusseren Einflüssen, die auf sie einwirken, richtet sie sich nach der Last des Schnees auf und erinnert sich an ihre Aufgabe…blühen und Früchte tragen…in ihrer gesamten Schönheit das Blattwerk der Sonne entgegen strecken.

Üppig, grandios und schnell offenbarte sich dieser Frühling, als wollte er uns erzählen: „Schau! Das ist auch dein Leben! Denn alle und alles sind miteinander verbunden!“

Dieses Jahr sind noch keine Wespen eingezogen. Mein Leben ist auch ruhiger, beständiger und entspannter. Dafür umschliessen mich auf meiner Loggia Spinnennetze. Niemals in meiner Tür und an meinem Liegestuhl-Platz. Eine Spinne habe ich noch nicht entdecken können, nur ihre Werke.

Ihre Geschichte, die sie erzählen möchte? Das Leben ist ein grosses, einzigartiges und gigantisches Spinnennetz. Auch wenn wir den Meister nicht erkennen können, er wirkt im Stillen, in der Unsichtbarkeit. Und während du jetzt noch hier sitzt und Cafe trinkst, werden deine weiteren Fäden gesponnen.

Viele Kleinigkeiten, Begegnungen und Menschen spinnen an unserer Geschichte, bis es wieder auf einen Wendepunkt stösst und der weitere Weg bereits vorbereitet ist und wir ihn nur zu gehen brauchen.

Lauferei

Lauferei

Selbst Zeiten der Starre und Unbeweglichkeit sind nötig, ob aus Angst, Zweifel oder Unsicherheit, mangelndes Selbstvertrauen und Orientierungslosigkeit. Es ist eine wertvolle Zeit der Transformation, des Erinnerns und Erfahrens. Bis eines Tages ein Traum, eine Begegnung, ein Bild, ein Wort, ein Lied oder ein Buch den Raum offenbart, in dem wir uns neu und leichter bewegen können und dürfen. Mit Freude und Neugier dem Wandel entgegen blicken, stark verwurzelt und unserem Selbst bewusst.

Wir müssen uns nicht ängstigen oder sorgen vor dem was kommen wird, vor unserer Zukunft. Das Netz ist schon lange vorbereitet und es ist unsere Entscheidung, wann – wie und mit welcher Haltung wir uns in ihm bewegen, denn dadurch resultieren unsere weiteren Erfahrungen.

In einem neuen Raum mit einem neuem Lebensgefühl, frischen Träumen, grenzenloser Energie und übersprudelnder Liebe, weil wir wieder bei uns selbst angekommen sind, ist so viel Wundersames möglich.

Blickst du zurück, egal wieviel schreckliches dein Netz zerstört hat, es wurde stets aufs Neue aufgebaut und es ging weiter und hat dich getragen, auch aufgefangen und aufgerichtet.

Lauferei

Lauferei

In Dankbarkeit gegenüber allen und jedem, der sich innerhalb dieses Netzwerks bewegt – oder sich bewegt hat – es ist ihr Beitrag zu der Einzigartigkeit einer Lebensgeschichte.

Es ist alles auf dem Weg…

eine schöne Woche mit deinem Spinnennetz

wünscht dir Erika

 

Über Erika

Mein Nachname ist Programm in meinem Leben. Immer in Bewegung, selten still, oft schweigend, mit offenen Augen das Leben und die Welt beobachten. Mit den Gedanken einen Schritt voraus und den Gefühlen einen Schritt hinterher. Immer öfter bewusst im Moment, häufig auf Reisen irgendwo zwischen Himmel und Erde, mit festen Boden unter den Füssen. Liebe die Berge und das Meer, brauche Bäume zum auftanken und das Meer zum loslassen. Was ich dabei erlebe, entdecke und beobachte - darüber schreibe ich.
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16 Antworten zu Tierische Helferlein

  1. anettburri schreibt:

    Wunderschön geschrieben.Danke für diese Zeilen. Für mich ist die Zeit mit den Tieren aber auch mit der Natur zum Kraftfels geworden.
    Alles Liebe zu Dir, Anett

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  2. Arabella schreibt:

    Krisen bringen gewaltige Energie Mengen mit sich…und du hast sie richtig genutzt…

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  3. sugar4all schreibt:

    wunderbar !!!!!!!

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  4. =) das hast du ganz ganz toll geschrieben! Bin wirklich sehr begeistert! Ein Text der gut tut. Dankeschön! Du wohnst so schön =) Ich wohne im hohen Norden, so anders. Ich mag hier die Weite und den Wind, das hat etwas Klares für mich =) Und abundwann fehlen mir die Berge. Mir geben Berge auch oft Sicherheit =) Dir weiterhin alles Liebe auf deinem Weg und viele schöne neue Spinnenfäden. Spin Spin Spin herum, so wie es dir gefällt =) Hat ja immer alles einen Sinn! So denke ich auch! Liebe Grüße

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    • Erika Laufer schreibt:

      Vielen herzlichen Dank! So sehr ich die Berge liebe, zwischendrin brauche ich das Meer, um wieder den Horizont zu sehen und wegen der Weite. Im Juni ist es soweit…dir auch alles Liebe und grüss mir das Meer. Erika

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  5. dieStreunerin.com schreibt:

    Danke ! Sehr schoen

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  6. finbarsgift schreibt:

    tolle Gegend, die deine! 🙂

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  7. Helga schreibt:

    Ein sehr schönes Bild ist dies, das Spinnennetz als Lebensgewebe…
    Und das erlebe ich tatsächlich auch immerwieder in meinem Leben!

    Liebe Grüße,
    Helga

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