Saoseo

„SAOSEO“ ein Name, wie ein melancholisches Fado oder der Ruf eines Hirten, der über die Wiesen und Berge weht und die Tiere zurück zum Stall locken soll.

Puschlav

Lagh da Saoseo (2029 m. ü. M.) liegt im Val di Campo, einem Seitental des Puschlavs und gehört zur Gemeinde Poschiavo. Gerne wird er als schönster Bergsee Graubündens bezeichnet und dank der Busverbindung folgen an heissen, sonnigen Tagen viele seinem Ruf.

Lagh da Saoseo

Die Puschlaver Bio-Kräutertee`s geniesse ich seit vielen Jahren, ebenso lange steht der Saoseo-See schon auf meiner Wanderliste.

La Rösa an der Bernina-Passstrasse

Mir bleiben 4 Minuten, um nach meiner Ankunft in Pontresina den Rucksack zu packen, Wanderschuhe anzuziehen, Parkuhr füttern und aufs WC, bevor mich der Bus Richtung Tirano nach La Rösa bringt. Der Wanderweg zieht sich an der westlichen Talseite entlang, bis man auf die Fahrstrasse stösst und zu all jenen, die dem Ruf „Saoseo“ zu Fuss folgen.

Von meiner geplanten Route weiche ich ungewollt ab und werde durch einen traumhaften, wilden Zauberwald geführt. Alte Lärchen und Arven, Felsen, Bachläufe und kleine, verträumte Seen. Herzlichen Dank für diese glückliche Fügung.

Durch die Wärme der Sonne tritt der ätherische Duft der Arven, die in diesem Jahr viele Zapfen tragen, hervor und vermischt sich mit diesem speziellen Bergduft des Herbstes – dessen Ursprung ich noch nicht definieren konnte, aber bisher immer erst im September / Oktober in meiner Nase hatte. All meine Sinne sind vollumfänglich präsent. Zeit und der Ruf verlieren an Bedeutung.

Am Saoseo See ist jeder grössere Stein und halbwegs „liegbare“ Platz besetzt. Dieses wilde Fleckchen Erde mit seinem glasklaren See, der blaugrün schimmert wäre eine perfekte Kulisse für ein melancholisches Fado.

Saoseo See

Stattdessen kündigt der Donner ein Gewitter an, färbt den Himmel Richtung Lagh da Val Viola schwarz und es bleibt mir wenig Zeit, um im Refugio Saoseo SAC Hütte einzukehren. Noch einmal darf ich durch den Zauberwald auf dem östlichen Wanderweg Richtung Sfazu laufen und treffe mit den ersten Regentropfen in meinem Hotel ein.

Am nächsten Tag gehts nach Poschiavo. Auf der Piazza Cappuccino trinken, Kräutertee kaufen, die Nase in die Saponeria Seifenmacherei strecken und das Loch mit sehr würzigem Brot  „Brasciadela“ (Puschlaver  Spezialität) drumherum kaufen und später mit dem Bernina Express zurück nach Pontresina.

Puschlav mit dem Lago di Poschiavo

Palü Gletscher

Fado  = portugiesisch für Schicksal – das es an diesem Tag sehr gut mit mir gemeint hat und ich dem Ruf „Saoseo“ Gehör schenkte und ihm bald wieder lauschen werde. Es gibt noch so viel im Valposchiavo zu entdecken.

Wanderung ab La Rösa zum See ca. 2 Std oder mit dem Kleinbus Val Campo während den Sommermonaten bis zum Refugio ( unbedingt reservieren)

Über Erika

Mein Nachname ist Programm in meinem Leben. Immer in Bewegung, selten still, oft schweigend, mit offenen Augen das Leben und die Welt beobachten. Mit den Gedanken einen Schritt voraus und den Gefühlen einen Schritt hinterher. Immer öfter bewusst im Moment, häufig auf Reisen irgendwo zwischen Himmel und Erde, mit festen Boden unter den Füssen. Liebe die Berge und das Meer, brauche Bäume zum auftanken und das Meer zum loslassen. Was ich dabei erlebe, entdecke und beobachte - darüber schreibe ich.
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15 Antworten zu Saoseo

  1. finbarsgift schreibt:

    Wie schön. Ich liebe Graubünden. Bin dort früher selber oft gewandert. Besonders schön fand ich in der Nähe des Umbrailpasses den Lai da Rims. Mein Lieblingsbergsee, liebe Erika.
    Herzliche Grüße zur Nacht vom Lu

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  2. meinesichtderwelt schreibt:

    Danke fürs virtuelle Mitnehmen, ich hab den Fado „gespürt“ 🙏♥️

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  3. Fotohabitate schreibt:

    Einfach nur toll!!

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  4. Erika Kind schreibt:

    Eine absolute Traumwanderung, Erika! Das Wasser in den Seen ist ja gigantisch klar. Gut, dass du es noch vor dem Donnerwetter geschafft hast.

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  5. wholelottarosie schreibt:

    Wunderschön.
    Ein romantischer, duftender Zauberwald um einen stillen, geheimnisvollen See.
    Wie im Märchen….

    Gefällt 2 Personen

  6. Wunderschön ~ die Wanderung, die Bilder und deine Worte liebe Erika und vermutlich war es nicht so heiß wie bei uns im Tal und einer Weinberggegend. Manchmal möchte man flüchten auf 2000 Meter wenn’s bloß nicht so weit entfernt wäre – das Gebirge. LG Sigrid

    Gefällt 1 Person

    • Erika schreibt:

      Liebe Sigrid, die Hitze war der Anstoss zu dieser Wanderung. Herzlichen Dank für deine lieben Worte. Ja, es ist weit für dich, doch der Weg wäre lohnenswert. Liebe Grüsse und eine schöne, etwas kühlere Woche

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