Inzwischen überlege ich mir ernsthaft, ob ich meinem neuen Mitbewohner nicht einen Namen geben sollte… Seit 5 Wochen wohnt er bei mir, macht mir das Leben schwer, bringt meine Pläne durcheinander, grosse und kleine Flaschen stapeln sich in meiner Küche und die Mülltüte ist schneller voll als üblich.
Mein neuer Mitbewohner ist ein Virus. In meinem Bauch / Darm wachsen bestimmt schon Kräuter, meine Leber schreit um Hilfe, da ich sie erst mit hochprozentigem Schwedenbitter und jetzt mit Medikamenten belade.
Mein Taschentuchkonsum bestätigt den Sinn meines Einkaufs einer Mega-Gross-Packung vor 2 Monaten. Letzte Woche, an den 5 schönsten Tagen dieses Frühlings hing ich kraftlos und von Medikamenten betäubt im Liegestuhl.
Inzwischen geht es mir mit ihm bedeutend besser, aber ganz ausziehen will er immer noch nicht. Und da frage ich meinen Mitbewohner: „was willst du von mir?“
Meine Fitness hat enorm gelitten, und jedesmal wenn es besser ging und ich einen Anlauf nahm, hat er mir gezeigt, wer der Meister ist. Dabei war ich so gut in Form, wie vermutlich noch nie zuvor in meinem Leben. Im Herbst mache ich eine grössere Reise und ich will fit sein und mich dabei nicht quälen müssen. Ich habe Angst, dass ich die Höhe nicht schaffe. Und dann fällt der Groschen:
Viel zu grosser Leistungsdruck, überhaupt habe ich aus den Augen verloren, weshalb ich es mache, für wen und dabei den Spass und den Genuss vergessen. Ich habe mich über den Körper wahr genommen, aber nicht mehr als Ganzes. Seit Wochen zeigt er mir, dass es so nicht geht. Das ich auf keinen hohen Berg kann, wenn die Luft weg bleibt. Irgendwann und irgendwo hat sich in mein Verhalten, Vertrauen und in mein Körpergefühl ein Virus eingenistet, aber nicht um das Sysem zu zerstören, sondern damit ich die Chance bekomme, es zu überdenken und zu korrigieren – RESET.
Gestern war ich das erste Mal seit einer Woche wieder unterwegs. Ganz langsam und so, dass meine Lunge mit kam, ohne Husten. Und es war wunderbar, es hat Spass gemacht und war wahrlich ein Genuss.
Und so kehre ich Schritt für Schritt wieder zu dem Rythmus zurück, der mir entspricht und nicht einer Leistungsvorgabe, die ich selbst kreiert habe. Denn mein Körper ist stärker, leistungsfähiger und Höhentauglicher als ich es vermute. Und bis Ende September werde ich aus meinem natürlichen Bewegungsverlangen heraus, ganz automatisch fit sein, um meine Reise zu meistern.
Jetzt werde ich noch a bisserl husten und niesen, meinen Kopf über Holundblütendunst hängen, meine Tablette nehmen – die lässt auch Elefanten sofort einschlafen, und nach innen lauschen, ob die Kräuter wieder wachsen.
Und sollte am Wochenende die Sonne scheinen, gehts auf leichte, angenehme Wanderschaft. Ich werde mal nachschauen, ob die Murmeli schon Frühjahrsputz gemacht haben und der Nachwuchs über die Wiesen saust.
Sollte dem so sein, werde ich Dich ganz bestimmt informieren.
Auf bald…Erika



























