Spitzmeilen 2501 m

Wer hätte das gedacht? Ich nehme einen Berg als meine persönliche Herausforderung an. Ich bin selbst erstaunt über meinen Ehrgeiz, von dem ich bisher angenommen hatte, dass diese Eigenschaft nicht sehr ausgeprägt sei.

Zum besseren Verständnis bitte vorab hier lesen:
Spitzmeilen 81 m unterhalb

Am Samstag war das Wetter perfekt und ich machte mich auf Richtung Spitzmeilen. Jetzt kannte ich den Weg und ich wusste, ich werde über die linke Flanke hochlaufen.

Lauferei

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2 Monate später ähneln sich die Bilder sehr. Nur, dass es an diesem Tag bedeutend wärmer als im August war. Die Wanderwege auch trockener, obwohl man Richtung Spitzmeilen SAC Hütte durch einige matschige Stellen durch muss. Meine Wanderschuhe sind dicht – kein Problem.

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Die Weiden sind leer und die Landschaft hat ihr Herbstkleid angezogen.

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Die Mehrheit der Wanderer läuft auf der rechten Flanke zum Spitzmeilen. Ich bin zunächst alleine unterwegs, erst später werde ich von Vater und Sohn überholt.

Lauferei

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Der Weg am Grat entlang ist wunderbar zu laufen und an keiner Stelle zu schmal. Nach ca. 3 Stunden stehe ich vor dieser Wand.

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Mit leerem Magen sollte keine Entscheidung getroffen werden! Ich esse meinen Apfel und schau mal, wie die das machen. Es sind Ketten und Fixseile angebracht. Und ich habe was von T3 gelesen, ich hätte auch etwas über Neutronen oder Synapsen lesen können. Aber es gibt ja Familie Google.

Als Landei mit städtischer Prägung ist die einzige Kletterei in meiner Erinnerung, die Überwindung des Gartenzauns als Knirps oder ein Apfelbaum. Da und dort mal a bisserl Fels. Ich habe noch nie eine Kletterwand berührt, geschweige denn einen Klettergurt angehabt. Beim Segeln gibt es einen ähnlichen Sicherheitsgurt. Er muss bei starkem Seegang getragen werden und man muss immer irgendwo am Schiff eingehakt bleiben. Das da war absolutes Neuland! Ein junges Pärchen, das heftig diskutiert: ob sie hoch geht, genug Zeit hat, wie es weitergeht, wie sie wieder herunterkommt, nein sie bleibt, er soll alleine. Er geht, sie bleibt unten und wartet.

Erstaunlicherweise diskutiert in mir niemand. Vermutlich ist Herrn Zweifel die Angst in die Hose gerutscht und er hält den Mund. Probierst du`s oder nicht? Mein grösstes Bedenken waren die Steine, die immer wieder von oben herunterfallen.

Ich nehme die Kette in die Hand und zieh mich hoch. Jeden Schritt habe ich mir gut ausgesucht und eine Hand an der Kette, die andere gut fest am Fels. Geht doch! Oben angekommen zittert alles an mir und ich kann nichts ins Gipfelbuch schreiben. Ausserdem ist es ziemlich eng da oben. Bevor die Angst aus der Hose wieder hoch kommt, mache ich mich nach dem Gipfelfoto wieder Richtung abwärts. Wider Erwarten geht das einfacher. Zwischendrin kann man sich an der Kette festhalten und schön an der glatten Felswand herunterlaufen. Cool! Dankbar stehe ich unten und hätte am liebsten den Labrador umarmt, der auf sein Herrchen wartet und auf den Rucksack aufpasst. Schnell noch ein Stück weiter runter und erstmal Brotzeit machen und realisieren: ich habe geklettert! Ich war ganz oben!

Lauferei

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Lieber Spitzmeilen, es war schön mit dir und wir sehen uns im Winter wieder! Denn er ist auch ein Skitouren-Gebiet.

Heute, am Sonntag tut mir jeder Muskel weh und aus irgendeinem Grund ist mein linker Zeigefinger dick.

 

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Tja, wer hätte das gedacht! In den meisten Menschen steckt mehr, als sie ahnen. Und es macht Freude, es zu entdecken.

Herzlichst

Erika

 

 

Über Erika

Mein Nachname ist Programm in meinem Leben. Immer in Bewegung, selten still, oft schweigend, mit offenen Augen das Leben und die Welt beobachten. Mit den Gedanken einen Schritt voraus und den Gefühlen einen Schritt hinterher. Immer öfter bewusst im Moment, häufig auf Reisen irgendwo zwischen Himmel und Erde, mit festen Boden unter den Füssen. Liebe die Berge und das Meer, brauche Bäume zum auftanken und das Meer zum loslassen. Was ich dabei erlebe, entdecke und beobachte - darüber schreibe ich.
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3 Antworten zu Spitzmeilen 2501 m

  1. ladyfi schreibt:

    Wow -stunning scenery.

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  2. sabine kunz schreibt:

    DU BIST GENIAL!!!! Gratuliere!!!

    Von meinem iPhone gesendet

    >

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  3. Pingback: An Tagen wie diesen… | Lauferei

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