Bun di – das vergessene Haus

Wann immer ich hier bin, führt mich mein Weg zu dem „vergessenen Haus“. Es liegt am Dorfrand, das Gras ums Haus steht auch diesesmal hoch. Die Türen und Fensterläden sind fest verschlossen. Vorbei an der mächtigen Lärche, dem wild wuchernden Apfelbaum und dem Kirschbaum, gehe ich hinter das Haus. Dort steht eine Bank, ein Tisch und es wartet auf mich die Aussicht auf das satte Grün der Wiesen, dahinter der Lärchenwald bis hinauf zu den Felsen, und weiter zum endlosen, blauen Himmel…es ist friedlich und still.

Lauferei

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Die Morgensonne hat gerade das Tal erreicht und wärmt es. Ich träume…von einem Haus…an diesem Platz…und das ich bleiben könnte….ich muss zurück…

Spontan hatte ich mich entschlossen nach Valchava / Val Müstair zu fahren. Durch Zufall habe ich gelesen, dass zwischen dem Val S-charl und Lü der höchstgelegene, zusammen hängende Arvenwald Europas liegt mit dem klangvollen Namen „God da Tamangur“.

An einem wunderschönen und heissen Tag bin ich vom Ofenpass 2149 m. ü. M. aus, auf dem mir vertrauten Höhenweg Richtung Minschuns gelaufen. Es roch wundervoll nach Lärchen und Arven. Ein Eichhörnchen war so freundlich einen frischen Arvenzapfen direkt vor meine Füsse fallen zu lassen. Harzig und rötlich feucht nehme ich ihn dankbar an. Vermutlich bin ich ihm zu mager und er sorgt sich um meinen Wintervorrat. Der Zapfen duftet unbeschreiblich intensiv.

Lauferei

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Vor der Alp Minschuns zweigt mein Weg links ab Richtung Fuorcla Funtana da S-charl. Der Weg verläuft durch eine Hochebene.

Lauferei

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Ich bin alleine hier oben am Funtana da S-charl 2393  m.ü.M. Umgeben von der mächtigen Bergwelt und der kargen Landschaft fühle ich mich sehr klein und demütig. Dankbar inmitten dieser wundervollen Welt leben zu dürfen. Das laute Rufen der Kühe bringt mich zurück auf meinen Weg.  Es ist eine Mutter-Kuh-Herde mit vielen Kälbern. Sie sind aufgeregt, ich werde beobachtet und das Schimpfen nimmt zu und mein Bogen um sie herum wird grösser.

Kurz danach stosse ich auf diesen merkwürdigen, markanten Findling. Um ihn herum dösen 4 Pferde.

Lauferei

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Von hier aus kann ich Tamangur sehen und es geht abwärts zur Alp Astras 2135 m. ü. M.

Lauferei

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Ab der Alp nimmt der Verkehr zu. Wanderer und vorallem Mountainbiker sind in beide Richtungen unterwegs.

Durch dieses Tal führt mein Weg zurück Richtung Pass da Costainas 2251 m. ü. M.

Lauferei

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Zwischen dem Dickicht der Kiefern taucht ein Hirsch auf. Immer wieder…bis er ganz verschwunden ist.

Am Fluss entlang verläuft der Weg gemächlich zum Pass hinauf. Es ist heiss, doch sobald eine Wolke die Sonne verdeckt, wird es kühl. Oben angekommen führt der Weg zügig hinab und ich schwenke nach rechts zur Alp Champatsch, die sympathisch und unkompliziert ihre Gäste bewirtet. Selbstgemachter Kuchen erwartet mich.

Lauferei

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Abwärts Richtung Lü wird mein Weg wieder von wundervollen Lärchen flankiert. Das kräftige Grün tut gut und so beschliesse ich von Lü 1920 m. ü. M. aus Richtung Valchava 1412 m. ü. M. hinunter zu laufen, statt das Postauto zu nehmen.

Lauferei

Lauferei – Weg Richtung Lü

Lauferei

Lauferei – Lü

Nur ein kurzer, spontaner Aufenthalt im Val Müstair, der mir einmal mehr gezeigt hat, wie unendlich vielfältig die Wandermöglichkeiten hier sind, wie kraftvoll und faszinierend die Natur und die Bergwelt ist. Mit Bewohnern, die einem gut gelaunt, aufgeschlossen und unkompliziert begegnen.

Meinen Platz hinter dem „vergessenem Haus“ muss ich verlassen. Ich komme wieder…im Winter oder noch vorher um Tamangur zu durchwandern. Ein paar realistische Träume bewahre ich mir, für demnächst…

Eine Katze sitzt am Gartenzaun und an der Hausecke steht eine Frau. Ihre hellblauen Augen lächeln mich strahlend an. Sie wirken fast gläsern in dem hellen Gesicht mit wenig Falten. Sie dürfte über 70 sein und trägt eine Kittelschürze, in der für das Südtirol typischen blauen Farbe. (Val Müstair liegt in direkter Nachbarschaft zum Südtirol)      „Bun di“ ruft sie mir zu mit dem Schauferl und Beserl in der Hand. Der Morgen ist noch jung und die Luft frisch, während sie die kleinen bunten Blätter ihrer Geranien um das schöne Engadiner Haus zusammenfegt.

Lauferei

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Man weiß nie, wo das Leben einen hin verschlägt….schaug ma mal…

A revair Valchava….

Erika

 

Vom Ofenpass bis Alp Astras ca. 2 1/2 Std. Wanderzeit, Alp Astras bis Alp Champatsch ca. 1 1/2 Std.

Von Alp Champatsch über Lü bis Valchava ca. 1 1/2 bis 2 Stunden

God da Tamangur erreicht man auch von S-charl aus.

 

 

 

Über Erika

Mein Nachname ist Programm in meinem Leben. Immer in Bewegung, selten still, oft schweigend, mit offenen Augen das Leben und die Welt beobachten. Mit den Gedanken einen Schritt voraus und den Gefühlen einen Schritt hinterher. Immer öfter bewusst im Moment, häufig auf Reisen irgendwo zwischen Himmel und Erde, mit festen Boden unter den Füssen. Liebe die Berge und das Meer, brauche Bäume zum auftanken und das Meer zum loslassen. Was ich dabei erlebe, entdecke und beobachte - darüber schreibe ich.
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36 Antworten zu Bun di – das vergessene Haus

  1. kowkla123 schreibt:

    das sieht so unglaublich schön und erholsam aus, ich wünsche dir einen schönen neuen Tag, Klaus

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  2. Arno von Rosen schreibt:

    Schön erzählt mit tollen Bildern – danke 🙂

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  3. Erika Kind schreibt:

    Wow, ganz toll! Ich geh zwar nicht gerne wandern, aber das macht Lust auf mehr.

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  4. Pia schreibt:

    Diese schöne Wanderung werde ich mir abspeichern. Ganz nach meinem Gusto, da nicht so viele Höhenunterschiede zu bewältigen sind. Werde aber für das letzte Stück sicher das Postauto nehmen. Leider liegt das Val Müstair nicht gerade vor meiner Haustüre.
    Schöne Fotos.
    L G Pia

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  5. Nacho schreibt:

    Für ein großes Stück Wurst begleite ich dich gerne!
    Nacho

    PS: Mein Herrchen meint gerade, dass er es auch ohne Wurst machen würde!

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  6. anettburri schreibt:

    Herzlichen Dank fürs mitnehmen. Ich stelle fest, dass das Bündnerland noch viele schöne Landschaften zu bieten hat. Liebe Grüsse zu Dir

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  7. Jürg schreibt:

    Hoi Erika besten Dank für deinen herrlichen Wandervorschlag – die Bilder sind wirklich sehr „amächelig“. Un deine philosophischen Gedanken sind mmer toll. Gruss Jürg

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  8. kowkla123 schreibt:

    nur mal so am Sonntag, schönen Sonntag wünsche ich

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  9. Flohnmobil schreibt:

    Ou ja, s’Münstertal – eifach immer wieder schön. Wänn’s nume nid so wiit wäg wär. 🙂

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  10. allesistgut schreibt:

    Wieder eine so tolle Landschaft und eine grandios Wanderung. Ich werde schon ganz hibbelig!
    Liebe Grüße. 😉

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  11. kowkla123 schreibt:

    Liebe Erika, wünsche dir eine gute Woche

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  12. kowkla123 schreibt:

    Liebe Erika, alles Gute für dich

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  13. martinakunze schreibt:

    Gleich bei meinem Erstbesuch hier bei dir: Ohnmacht….man reiche mir das Parfüm, bitte….uff….was muss einem gelingen, um an diesem Ort leben, atmen, verweilen zu dürfen, liebe Erika? Ganz, ganz wunderschön…..e Fotos, Wegbeschreibungen…ich hüpfe gleich mal weiter zum Paradies-Apfel.

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    • Erika Laufer schreibt:

      Liebe Martina, vielen herzlichen Dank für deine Kommentare und deinen Besuch bei mir. Was du tun musst, um an diesem Ort verweilen zu dürfen? Ins Münstertal / Schweiz fahren und einfach nur aufnehmen. Du wirst nicht in Ohnmacht fallen, sondern beschwingt und voller Glückseligkeit die Natur geniessen. Liebe Grüsse Erika

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      • martinakunze schreibt:

        Gut, sehr gut! Dann ab in die Schweiz. Vielen Dank, liebe Erika. Ja, ich würde nur aufnehmen…ich würde aber auch auf die Knie fallen und in aller Stille ein DANKE in das Universum senden. Danach mit Millionen von Zehen in der Landschaft umherhopsen. Voller Glückseligkeit.Schön, dass du es derart erleben darfst. Sei ganz lieb gegrüßt. Martina

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  14. zeilentiger schreibt:

    Wunderschöne Wege! Man möchte gleich selbst dort gehen. Und dieser kuriose Findling mit den Pferden drumherum … Und nicht zuletzt ein neues Wort gelernt: Arve. Kannte ich noch nicht. Jetzt weiß ich es.

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    • Erika Laufer schreibt:

      Arve oder Zirbe. In Bayern und Österreich heisst der Baum auch Zirbel. Ich wünsche dir eines Tages ins Münstertal fahren zu können und diese ganz spezielle Gegend hautnah erleben zu dürfen. Liebe Grüsse Erika

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  15. Pingback: Pfingsten 2016 | Lauferei

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