Sie steht morgens auf, obwohl ihr der ganze Körper weh tut. Sie geht durch ihren Tag, ohne auch nur eine Sekunde an sich zu denken. Nur wenn sie Hunger oder Durst hat. Sie schaut gedankenverloren auf die Welt, während sie die Wäsche aufhängt oder einkaufen geht. Liest die Liste durch und greift automatisch in die Regale. Das Portemonnaie leert sich und wie zahlt sie die nächsten Rechnungen? Der Korb mit der Bügelwäsche füllt sich und der Staubsauger steht in der Ecke, wartend. Sie geht zur Arbeit, lächelt, obwohl ihr zum weinen zumute wäre. Sie nimmt die Ordner unter den Arm und würde selbst so gerne getragen werden. Feierabend und die Gedanken eilen voraus. Nichts mehr müssen müssen…
Ein Kollege erzählt ihr seine Geschichte, sie hört zu, tröstet, lächelt. An der Strassenecke fällt jemanden die Einkaufstasche zu Boden. Sie bückt sich und hilft die Ware einzusammeln. Jemand schnappt ihr den letzten Parkplatz weg, sie schaut enttäuscht zu dem anderen Autofahrer und dreht noch eine Runde um den Block. Die Tanknadel steht auf Reserve.
Sie läuft schon lange auf Reserve. Noch schnell zur Tankstelle oder doch lieber nach Hause?
Sie verbrennt sich die Hand am Backofen. Die Waschmaschine läuft im Schleudergang. Wie ihr Leben, aus dem sie keiner raus holt.
Sie hört das Geplapper ihrer Familie, die Türen die geöffnet und geschlossen werden, wünscht allen eine gute Nacht und holt sich das Bügelbrett.
Fernseher aus, Radio aus, Computer aus. Bügeleisen an….
Gedankenverloren nimmt sie sich ein Wäschestück nach dem anderen, durch das geöffnete Fenster dringen die Geräusche der Nacht, ein Lachen, eine Autotür die zugeschlagen wird, ein Hund der bellt. Ihr Wäschehaufen wird kleiner, aber nicht ihre Last.
Sie stellt das Bügeleisen ab, verräumt das Bügelbrett, trägt die Wäsche ins Schlafzimmer, schaut auf ihr Bett in das sie am liebsten fallen würde. Die Spülmaschine noch einschalten, das Licht im Wohnzimmer ausschalten. Die Katze hereinlassen. Sie schenkt sich ein Glas Rotwein ein, setzt sich auf ihren Balkon und atmet tief ein und aus. Tränen fliessen über ihre Wange, ganz leise, ohne Klagen. Die Katze streift um ihre Beine, sie krault sie am Kopf.
Das war`s für Heute. Morgen fängt sie wieder an. Ihr Körper tut weh. Sie wird lächeln und dem Leben die Hand reichen. Sie wird ihre Arbeit erledigen und ihre Aufgaben erfüllen.
Und auch wenn sie schon längst nicht mehr kann, wird sie mit liebevollen Augen in die Welt schauen, und hoffen, dass sie eines Tages weniger müde, weniger Schmerzen und Sorgen haben wird. Und irgendwann wird jemand DANKE sagen. Und sie wird lächeln und sagen: „Gern geschehen!“
Sie wird nicht aufgeben, sie wird immer Kraft haben, Mut, Glaube, Hoffnung und ein Lächeln. Der Raum, in dem sie schwach und verloren sein darf, ist klein und gehört nur ihr.
An alle starken Frauen, egal wo ihr in eurem Leben gerade steht: ihr seid phantastisch!

















