Die ultimative Vorstellung für das Erreichen der Inka-Stadt Machu Picchu ist die Wanderung hinauf in den frühen Morgenstunden, um den mystischen, weltberühmten Berg im Licht der aufgehenden Sonne zu erleben.
Entsprechend enttäuscht zeigten sich unsere Gesichter, als wir am Abend zuvor den Zeitplan und den Ablauf mitgeteilt bekommen haben. Wir fahren mit dem Bus hoch. Ok.
Es gibt verschiedene Wege Machu Picchu zu erreichen. Eine Wanderung führt durch das Sonnentor über die Bergflanke in die Ruinen. Ein Weg von Westen kommend ist derzeit gesperrt gewesen, wegen einem Erdrutsch, der den Weg zerstört hat und zuletzt, der Weg über viele, hunderte Stufen und an der Strasse entlang. Auf ihr fahren auch Unmengen Busse hinauf und dieser, ist definitiv die schlechteste Wahl.
In der Nacht hat es stark geregnet und am nächsten Morgen sind alle umliegenden Berge in dicke Wolken und Nebel gehüllt. Die Gesichter werden noch länger und entäuschter, allerdings haben wir es überhaupt nicht mehr eilig und bei der Schlange, die uns erwartet eine Geduld fördernde Erscheinung. Sobald die Busse starten, geht es Schlag auf Schlag. Jeder Platz wird besetzt und ab gehts nach oben. Zügig fahren die Busfahrer die kurvenreiche, trotz nächtlichen Regens staubige Strasse den Berg hinauf und spucken Touristen aus allen Ecken dieser Welt aus.
Gemessen an den Menschenmassen, fühle ich mich ein bisschen wie bei Schloss Neuschwanstein oder auf dem Oktoberfest. Doch alles läuft sehr ruhig und friedlich ab.
Wir steuern direkt auf den Wayna Picchu zu und bewegen uns durch die vom Nebel verschleierten Ruinen. Er: „Vor lauter Nebel sieht man ja gar nix!“ und ich: „Gerade das ist ja das Schöne. Da werden deine Bilder noch mystischer. Schön-Wetter-Bilder kann ja jeder.“
Er: „Scheisswetter! Da sehen wir keinen Berg und nix!“ und ich: „Seit mehr als 10 Jahren träume ich davon hier zu sein. Du wirst doch nicht glauben, dass ich Machu Picchu nicht sehen werde! Der Nebel und die Wolken werden sich lichten und die Sonne wird kommen. Der Petrus is a Bayer!“ Er lacht mich aus. Ich lass ihn lachen…ich weiss es, ich vertraue und freu mich einfach…
Während des gesamten Trekkings sind wir nicht so schnell gelaufen. Wir müssen! Denn wir haben eine Eintrittszeit für Wayna Picchu, die in wenigen Minuten abläuft. Mit der Nummer 88 darf ich mich in das Eintrittsbuch eintragen und muss mich auch wieder bei verlassen austragen!
Der Aufstieg über gefühlte 2000 Stufen in unterschiedlichen Höhen und Tiefen, teilweise wirklich gefährlich schmal am Hang, dauert ca. 1 Stunde und wir alle schwitzen und schnaufen. Doch der Weg wird begleitet von zunehmend blauen Himmel und der Sonne, die dazwischen hervorblitzt.
Je weiter sich der Himmel für uns öffnet, desto grösser ist meine Freude und die Energie, die mich hinaufträgt. Und dann sind wir oben…und ich darf zuschauen, wie die Wolken verschwinden und mein Traum sich vor mir in seiner gesamten Schönheit offenbart.
Ein Erlebnis voller Zauber und Magie, als wollte der Berg mir sagen: „Schau her, hier bin ich!“
Und das ist der Moment, da sprudelt mein Herz über und Tränen fliessen…aus Freude, aus Dankbarkeit, aus Stolz und einfach weil ich hier bin, ein Traum wahr wurde und ich nicht einen Moment an mir, an dieser Reise und an meinem Glück gezweifelt habe.
Und solltest du einen Traum haben, glaube an ihn, trage deinen Teil dazu bei und achte auf das Leben, wie es dir einen Zufall und ein Puzzleteil nach dem anderen vor die Füsse fallen lässt. Heb sie auf, füge sie zusammen und gehe deinen Weg, deinem Traum entgegen.
Wir verweilen lange auf Wayna Picchu, es ist so ruhig hier und nur wenige Menschen sind um uns herum. Die gefühlten 2000 Stufen müssen wir auch wieder hinunter. Meine Knie sind heute noch traumatisiert. Uns kommen die nächsten Berggänger schwitzend und schnaufend auf den engen Treppen entgegen.
Das Rätsel um die Inka-Stadt Machu Picchu wird wohl niemals gelöst. Vielleicht ist das mit ein Grund, weshalb es so viele Menschen hierher zieht. Viele Fragen sind unbeantwortet und vielleicht suchen die Menschen hier oben die Klärung ihres eigenen Mysteriums, ihre Antworten… Man muss nur die richtigen Fragen stellen. Der Berg gibt dir seine Antworten und vieles klärt und beantwortet sich auf dem Weg hierher.
Plötzlich sind es mir zu viele Menschen und ich laufe zum Ausgang Richtung Bus, stelle mich in die Schlange und treffe auf unseren Guide und den Rest unserer Truppe.
Mit dem Zug fahren wir nach einem späten Mittagessen zurück Richtung Cusco. Die Fahrt, die Landschaft, der gesamte Rest des Tages rauscht an mir vorbei. Beseelt und ganz bei mir, lass ich mich nach Cusco schaukeln.
































































































