Viele wollen einen Gipfel erreichen, sich ins Gipfelbuch eintragen und von weit oben die Aussicht geniessen. Ich suche mir Wege. Auf meinem Weg vom Engadin über den Julierpass kommt man an Savognin vorbei. Die Terrassenartigen Wiesen und kleinen Dörfer am Hang mit ihren strahlendweissen Kirchen haben meine Neugierde geweckt. Dort wollte ich eines Tages laufen und mir die Gegend anschauen.
So sei es, sprach das Leben und durch Zufall stiess ich auf Ziteil am Piz Curvèr . Der höchstgelegenste Wallfahrtsort der östlichen Alpen. 2429 m ü. M. Weshalb wird eine Wallfahrtsirche an solch einem Ort gebaut, zu einer Zeit, als kein Helikopter das Material transportieren konnte? Eine Pilgerreise oder ein Pilgerweg soll einem Kraft und körperlichen Einsatz abverlangen und Schweiss, incl. aller Schuld aus den Poren jagen. Busse tun, für all die menschlichen Vergehen…und fühlt man sich Gott dort oben näher?
Mein Weg beginnt in Savognin-Somtgant Bergstation 2112 m ü. M. Richtung Alp Foppa. Der Weg zieht sich dem Berg entlang in südliche Richtung durch das Val Carschung. Zur Alp Foppa gehts den Berg hinunter und talauswärts.
Bei Cre digl Lai, einer kleinen Ansammlung Häuser führt der Weg steil hinauf zu Ziteil. Zwei Wege führen zur Wallfahrtskirche. Diese 400 Höhenmeter werden die wenigsten Pilger oder Neugierige, wie ich, unter die Füsse nehmen. Er lässt den Schweiss fliessen, meine Sünden behalte ich.
Oben angekommen möchte ich erstmal einen Kaffee, sofern es denn einen gibt.
„Nein, ich bin kein Bruder“ – „Eine Schwester bin ich auch nicht.“ -„Ich bin der Koch“, mit diesem Dialog in den Ohren trete ich in die dunkle, gemütliche Gaststube der Wallfahrtskirche ein und bekomme meinen Kaffee von dem emsig umherwirbelten Koch. Er dürfte Ende 60 sein und trifft Vorbereitungen für eine kleine Gruppe, die sich zum Mittagessen angemeldet hat.
Der Kaffee und meine Brotzeit schmecken wunderbar. Die Kirche schaue ich mir an und bin fasziniert von dem Fenster, oder von seiner Aussicht. Zur linken der Blick auf die Errgruppe und im rechten Fensterteil die Aussicht Richtung Engadin, Piz Bernina, Rosegg Gletscher, Muottas Muragl. Ob wohl jeder Pilger und Gläubiger mit dieser Klarheit im Geist und im Herzen, wie an diesem traumhaften Tag, seinen Rückweg wieder antreten konnte?
Ich lehne an der Kirchenmauer und schaue auf dieses unbeschreiblich schöne Panorama. Der Weg hoch zu Ziteil ist es wert, um die Schöpfung in ihrer Vollkommenheit von hier aus zu bewundern.
Den steilen Weg laufe ich wieder hinunter, Richtung Salouf. Oberhalb von Salouf entscheide ich mich, nicht mit dem Postauto zurückzufahren. Wer weiss, wann das fährt.. Gehe dann weiter nach Riom. Kaufe mir ein Eis und frage nach dem schöneren Weg Richtung Savognin. Er führt mich an der Burg in Riom vorbei, über die terrassenförmigen Wiesen, die der Grund meiner Wanderung hier sind und zum See in Savognin, zurück zur Talstation der Bergbahn.
Es war eine langer Weg mit Höhen und Tiefen, sympathischen Begegnungen, durch karge Landschaft und durch wunderschöne Lärchenwälder und vorbei an frisch gemähten Wiesen. Durch ein kleines friedliches Dorf und rechtzeitig versorgt mit frischem Quellwasser, als mein Vorrat zu Ende ging und einem Fluss Julia rätoromanisch Gelgia, dessen kühles Wasser von meinen Füssen sehr willkommen geheißen wurde.
Antworten auf meine Fragen:
Ziteil wurde nach zweimaliger Marienerscheinung im Jahre 1580 als kleine Kapelle gebaut. 1849 baute man ein Gotteshaus und steht in seiner heutigen Form seid 1959. 150 Pilger können dort übernachten.
An einem Tag wie diesem und nach 6 Stunden Wanderung fühle ich mich erfüllt, zufrieden und müde. Ein göttlicher Tag an jedem Ort.
Eine wunderbare Woche und liebe Grüsse
Erika








































































